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19 | 07 | 2010

 

JOURNALISTENPREISE-NEWS


Felix-Rexhausen-Preis 2010 für WDR5-Sendung

Newsbild New

 
Zwei Stunden monothematisches Radio über Männer, die Männer lieben - wie überaus originell sich das anhören kann, bewiesen Günter Frorath, Michael Lohse und Roger Willemsen im Sender WDR5. Die drei sind gestern in Frankfurt mit dem Felix-Rexhausen-Preis 2010 des Bundes Lesbischer und Schwuler JournalistInnen (BLSJ) ausgezeichnet worden.

 

  Der Preis wurde auf dem Christopher Street Day von Mathias Münch überreicht. Er ist mit einem Preisgeld von 500 Euro dotiert. Der BLSJ vergibt den Preis seit 1998 jährlich und würdigt damit ein besonderes publizistisches Engagement bei der Berichterstattung über Lesben und Schwule.

Günter Frorath, Michael Lohse und Roger Willemsen ist mit "Er sucht ihn - Männerliebe literarisch" (WDR5 "SpielArt", 14. Februar 2010) eine herausragende Radio-Collage gelungen, "die ebenso unterhaltsam wie lehrreich" ist, sagt Jurymitglied Arnd Riekmann. "Trotz ihrer klassischen Machart sind diese zwei Stunden Radio vor allem eines: originell." Willemsen baue seine intelligent-witzige Moderation mit aktuellen und teils höchst politischen Bezügen zu einem eigenständigen journalistischen Beitrag aus. Das Fundament dafür liefere der weite Bogen literarischer Stücke ebenso wie die kongenial eingepassten Musikstücke.

Die Jury vergibt außerdem einen undotierten Sonderpreis: Sarah Stricker wird für ihren Artikel "Die wollen mich fertigmachen" (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 30. August 2009) geehrt. Sie beschreibt darin eine weitgehend unbekannte Problematik: Transsexuelle in Männergefängnissen. Die Jury sei beeindruckt gewesen, wie Sarah Stricker die Vielschichtigkeit des konkreten Falls von Protagonistin "Janina" porträtiert, erläutert Arnd Riekmann.

Starke Konkurrenz

Wie groß die Konkurrenz in diesem Jahr war, zeigten auch die beiden anderen nominierten Beiträge, berichtet der Vertreter der Jury. So habe Cornelia Laufer in ihrer Reportage "Zufrieden im Frauenverein" (Neue Osnabrücker Zeitung, 22. August 2009) ein gelungenes Portrait einer "stinknormalen Familie" gezeichnet, allerdings einer Regenbogenfamilie mit zwei lesbischen Müttern. Dort kommen die Freunde von Tochter Alina schonmal zum Lesbengucken vorbei. Wie Berichterstattung vom CSD unterhaltsam und intelligent sein kann, bewiesen Dorothee Hackenberg, Boris Kullick, Frauke Oppenberg, Steffen Seibel, Holger Wicht in der vierstündigen Sendung "Die warme Welle - live vom CSD" (RBB Radio Eins, 27. Juni 2009). "Eine gelungene Mixtur aus Pop und Politik, Geschichten und Geschichte", freut sich Arnd Riekmann. "So sollte sich CSD-Radio anhören."

Besonderes Lob - außerhalb des Wettbewerbs - spricht die Jury dem Blogger Stefan Niggemeier für seinen Beitrag "Die Schwulen sollen wieder verschwinden" aus. Dort seziert er einen schwulenfeindlichen Artikel aus der Schweizer Weltwoche über die "Homosexualisierung der Gegenwart" und entlarvt die Argumentation als pures Ressentiment.

Hintergrund

Felix Rexhausen (1932 - 1992), der Namenspatron des Preises, war gemeinsam mit Gerd Ruge und Carola Stern Mitbegründer der deutschen Sektion von Amnesty International und arbeitete für den Rundfunk sowie für Zeitungen und Zeitschriften. Rexhausen war bereits zu Zeiten des alten Paragrafen 175 ein selbstbewusster, schwuler Journalist, der die Lebensumstände homosexueller Männer eindringlich thematisierte.

Der BLSJ ist ein bundesweites Netzwerk und verbindet 200 lesbische und schwule JournalistInnen. Er setzt sich seit 1997 für eine faire und realitätsgetreue Berichterstattung über Lesben und Schwule ein.



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