Preise: 725 | Gewinner: 15806 | 23.02.2019 | facebook facebook


08 | 12 | 2010

 

JOURNALISTENPREISE-NEWS


Carolin Emcke schreibt beste Reportage

Newsbild New

 
Entertainer Harald Schmidt (Foto: Anna Jockisch/2470media) nahm sich am Montagabend gerne Zeit für die Preisverleihung des Deutschen Reporterpreises in Berlin. Die "Beste Reportage" hat in diesem Jahr die Journalistin Carolin Emcke geschrieben, die 2010 bereits den Otto-Brenner-Preis gewonnen hat.

 

  Mit ihrem Text "Der erste Schuss fällt nach fünf Minuten" über den Irak-Krieg, erschienen im "Zeit Magazin", schaffe die Autorin eine Spannung, die bis zum Schluss erhalten bleibt. Die Jury hob hervor, dass Carolin Emcke ihre Rolle als Reporterin auf beispielhafte Weise reflektiere und die Arbeit von Kriegsreportern hinterfrage.

Als "Bester Essay" wurde der Text "Lasst sie raus!" von Andreas Weber ausgewählt, erschienen in "Geo". Der Autor leiste wichtige Argumente in der Erziehungsdebatte und damit zu einem relevanten gesellschaftlichen Thema, so die Jury. Der Text sei ein gelungenes Plädoyer für das Recht der Kinder auf ein eigenes Leben und stelle nicht nur unbewiesene Behauptungen auf, sondern liefere Belege aus der persönlichen Erfahrung des Autors.

Als "Beste Kulturreportage" zeichnet die Jury das Stück "Junge Nummer Eins" von Tobias Kniebe und Alexander Gorkow aus, erschienen in der "Süddeutschen Zeitung". Das Porträt des Filmemachers Klaus Lemke sei mit viel Wärme und charmanter Distanzlosigkeit geschrieben und von extremem Unterhaltungswert. Die Autoren lassen eine Phase im deutschen Film auferstehen, deren Protagonisten mit ihrer Kompromisslosigkeit Vorbilder waren und deren Filme heute noch das Publikum begeistern.

Als "Bestes Interview" zeichnet die Jury "Ein Leben wie im Fegefeuer" von Beate Lakotta aus, erschienen im "Spiegel". Die Alzheimer-Krankheit, über die der Leser meist nur aus der Außenperspektive erfährt, aus der Perspektive eines Reporters, werde hier von einem Betroffenen beschrieben. Man erfahre in dem Interview mehr als in anderen Textformen über den Betroffenen und über die brüchige Grenze zwischen Gesundheit und Krankheit, urteilt die Jury.

In der Kategorie "Beste Lokalreportage" hat die Jury den Text "Er wollte so gern ein Deutscher sein" von Volker ter Haseborg ausgewählt, erschienen im "Hamburger Abendblatt". Der Autor habe den Selbstmord eines armenischen Abschiebehäftlings exzellent recherchiert und rekonstruiere das Schicksal des Mannes beispielhaft für andere Flüchtlinge kurz vor der Abschiebung, so die Jury.

Als bester freier Reporter wird Mario Kaiser mit seinem Text "Herrn Inces Lohn" ausgezeichnet, erschienen in "brandeins". Der Autor beschreibe mit großer sprachlicher Dichte das mühsame Leben eines modernen Tagelöhners in Deutschland, so die Jury, und habe bei der Recherche eine bewundernswert große Ausdauer bewiesen. Er sei seiner Hauptfigur deshalb so nahe gekommen, weil er sie über mehrere Monate begleitet habe.

Als beste "Politische Reportage" zeichnet die Jury den Text "Der Kinderknast von Lesbos" von Roland Kirbach aus, erschienen in der "Zeit". Die Reportage über junge afghanische Flüchtlinge auf der griechischen Insel Lesbos beschreibe mit großer sprachlicher Kraft ein drängendes Menschenrechtsproblem, das Europa noch viele Jahre beschäftigen wird, so die Jury. Der Text sei ein im besten Sinn politischer Text, weil er den Politikbegriff auf die Frage ausdehne, wie Europa mit den Opfern des Krieges umgeht, den die Staaten in Afghanistan führen.

Als beste Web-Reportage hat die Jury "After The War" von Felix Seuffert ausgewählt, eine Audio-Slideshow über einen kongolesischen Fußballer in Südafrika, produziert von der Agentur 2470media. Der Autor schöpfe das Handwerkszeug der Webreportage aus, bediene sich aber weder einer vorfabrizierten Dramaturgie noch einer allwissenden Erzählerstimme. Die Jury lobt den Mut, ein unaufgelöstes Ende stehen zu lassen; eine sehr berührende, ganz und gar nicht didaktische Erzählung.

Die Jury

In der Jury des Deutschen Reporterpreises sitzen die Journalisten Axel Hacke, Erwin Koch, Nils Minkmar, Stefan Niggemeier, Angelika Overath, Sabine Rückert und Gerhard Samulat, die Autorinnen Kathrin Passig und Monika Maron, die Regisseurin Doris Dörrie, der Theaterintendant Mathias Hartmann, die Verlegerin Antje Kunstmann, der Publizist Manfred Bissinger, der frühere ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender und Harald Schmidt.

Hintergrund

1146 Texte waren eingereicht worden, 32 Vorjuroren aus 16 Zeitungs- und Zeitschriftenredaktionen hatten die Artikel vornominiert. Unter den Nominierungen waren Texte aus 36 Zeitungs- und Zeitschriftenredaktionen. Der Preis wird vom Reporter-Forum vergeben, einer Initiative von Reportern aus vielen Zeitungs- und Zeitschriftenredaktionen, die mit Workshops, Seminaren, Stipendien und dem Journalistenpreis etwas tun wollen gegen die Medienkrise und für Qualitätsjournalismus.



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