Preise: 721 | Gewinner: 15972 | 24.04.2019 | facebook facebook


20 | 12 | 2010

 

JOURNALISTENPREISE-NEWS


Bremer Hörkino: Jury bestimmt Preisträger

Newsbild New

 
Zum dritten Mal wurde der „Feature-Preis Bremer Hörkino“ für Hörfunk-Autoren aus Bremen und Niedersachsen ausgelobt. Die unabhängige Jury, bestehend aus Ulrike Toma, Feature-Redakteurin beim Norddeutschen Rundfunk, Michael Augustin, Redakteur bei Radio Bremen/NordwestRadio und Regina Dietzold, Initiatorin von „Hörsturz - Interessengemeinschaft für Bremer Radiokultur“ hat nun entschieden: Preisträger 2011 sind Margot Overath (Foto) und Rainer Kahrs.

 

  Die Hörfunk-Autorin Margot Overath wird ausgezeichnet für ihr Stück „ Verbrannt in Polizeizelle Nr. 5 - Der Tod des Asylbewerbers Oury Jalloh in Dessau". Eine Produktion des Mitteldeutschen Rundfunk, in Kooperation mit Deutschlandfunk und Norddeutschem Rundfunk, 2010. Der Fernseh- und Hörfunk-Journalist Rainer Kahrs erhält den Preis für „Das Geheimnis des Waffenschiffes Faina“, eine Radio-Bremen-Produktion von 2010.

Overaths Feature überzeugte die Jury wegen seiner „journalistischen Hartnäckigkeit und erzählerischen Kraft, mit der die Autorin die Hintergründe des Todes Ouri Jallohs aufdeckt und schildert. Margot Overath entlarvt die Kälte und den unmenschlichen Umgang einer öffentlichen Institution mit dem Einzelnen.“

Kahrs würdigt die Jury für seine “investigative journalistische Arbeit, mit der er in seinem Feature auf unerschrockene Weise das Netzwerk des internationalen Waffenhandels sichtbar macht. In einem spannenden akustischen Roadmovie reist der Autor auf den Routen skrupelloser Geschäftemacher aus Wirtschaft und Politik.“

Der „Feature-Preis Bremer Hörkino“ besteht aus 1.000 Euro und einer Bronzeskulptur. Er wird gestiftet von swb (Stadtwerke Bremen) und den Initiatoren des Hörkinos, unterstützt von „Hörsturz – Interessengemeinschaft für Bremer Radiokultur“. Die Preisskulptur „Rüdi hört“ wurde eigens für das Hörkino geschaffen, vom Berliner Künstler Zoppe Voskuhl.

Lange Hörkino-Nacht mit Preisverleihung der Skulptur „Rüdi hört“ am 6. April 2011

Anlässlich des siebten Geburtstags des Bremer Hörkinos verleihen Beate Hoffmann und Charly Kowalczyk vom Bremer Medienbüro den Feature-Preis am 6. April 2011 um 19 Uhr im Energiecafé (Sögestraße).

Rund 50 Radioliebhaber besuchen das Hörkino, das an jedem ersten Mittwoch im Monat im swb-Kundencenter stattfindet. „Viele Bremer sind richtige Fans des gemeinsamen Hörens geworden. Außerdem trifft man im Hörkino auf die Autoren, die man sonst nur hören kann, aber nicht zu sehen bekommt“, beschreiben Hoffmann und Kowalczyk die Entstehungsidee.

Mit dem Preis möchten die Initiatoren des Hörkinos Autorinnen und Autoren ermutigen, auch in Zeiten, in denen der Wortanteil und lange Geschichten weniger werden, wunderbare Hör-Stücke zu produzieren.

Zum Inhalt der prämierten Features:

„Das Geheimnis des Waffenschiffes Faina“ von Rainer Kahrs, Regie: Christiane Ohaus, Radio Bremen 2010

Als der ukrainische Frachter "Faina" im Februar 2009 in den Hafen von Mombasa einlief, standen die Seeleute regungslos an der Reling. Vier Monate lang waren sie von somalischen Piraten in Geiselhaft gehalten worden. 3,5 Millionen Dollar hatte ein ukrainischer Oligarch den Piraten gezahlt. Lösegeld vom reichsten ukrainischen Bürger für die Mannschaft eines Schiffes, das dem stellvertretenden Verkehrsminister der Ukraine gehört. Die Hintergründe der mysteriösen Zahlung wurden pikanterweise von den Piraten aufgedeckt: An Bord hatten sich 33 ukrainische Panzer, 90 Tonnen Kalaschnikows, Raketen und israelische Elektronik befunden, bestimmt für ein Krisengebiet in Afrika. Ein illegales Waffenschiff war enttarnt. Und eine Spur führt nach Deutschland.

Der Preisträger Rainer Kahrs ist Fernseh- und Hörfunkjournalist und lebt in Bremen. Er ist Redaktionsmitglied beim Abendmagazin „buten un binnen“ von Radio Bremen. Kahrs arbeitete für Tagessthemen, Panorama, Arte und erhielt den Medienpreis des Deutschen Roten Kreuzes.

„Verbrannt in Polizeizelle Nr. 5 - Der Tod des Asylbewerbers Oury Jalloh in Dessau“ von Margot Overath, Regie: Nikolai von Koslowski, MDR/DLF/NDR, 2010

Am 7. Januar 2005 verbrannte der aus Sierra Leone stammende Oury Jalloh im Gewahrsam eines Dessauer Polizeireviers. Jalloh lag volltrunken und an Händen und Füßen gefesselt auf einer feuerfesten Matratze. Zwei Jahre später begann vor dem Landgericht Dessau-Roßlau der Prozess gegen zwei der diensthabenden Polizeibeamten. Am 8. Dezember 2008, nach 59 Verhandlungstagen, wurden die Angeklagten freigesprochen.

Das Gericht hätte "trotz intensivster Bemühungen" den Tod nicht aufklären können, so der Vorsitzende Richter Manfred Steinhoff. Er beurteilte das Aussageverhalten der Polizeibeamten mit den Worten: "Das Ganze hat mit Rechtsstaat nichts mehr zu tun." Zwei Jahre danach, am 7. Januar 2010, hob der Bundesgerichtshof das Urteil auf und gab den Fall dem Landgericht Magdeburg zur Neuverhandlung.

Die Preisträgerin Margot Overath lebt in Ritterhude. Sie ist freie Autorin für alle Hörfunk-Anstalten der ARD und erhielt für ihre Sendungen den „zivis-Preis“ und den „IFJ-Prize“ der internationalen Journalistenföderation.



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