Preise: 725 | Gewinner: 15806 | 23.02.2019 | facebook facebook


10 | 05 | 2011

 

JOURNALISTENPREISE-NEWS


Henri Nannen Preis und die Folgen

Newsbild New

 
So viel Aufregung um die Verleihung eines Journalistenpreises hat es lange nicht mehr gegeben. René Pfister, Gewinner des Henri Nannen Preises 2011 für die beste Reportage, muss seinen Preis zurückgeben. Die Jury ist unglücklich darüber, dass er ein Reportagegebot nicht eingehalten und sich auf "Hören-Sagen" verlassen hat.

 

  Um was geht es genau?

Die Diskussion der vergangenen Tage dreht sich um einen der begehrtesten Journalistenpreise Deutschlands. Mit dem Henri Nannen Preis stellen der Verlag Gruner und Jahr sowie das Wochenmagazin Stern die Bedeutung von Print- und Onlinejournalismus heraus und erinnern zugleich an das Werk des stern-Gründers Henri Nannen (1913-1996). Der Preis ist mit insgesamt 35.000 Euro dotiert. Außerdem erhalten die Preisträger den Henri, eine von dem Berliner Bildhauer Rainer Fetting geschaffene Bronzeskulptur Henri Nannens im Andenken an dessen Lebenswerk. Ein aufwendiges Sichtungsverfahren sowie eine hochkarätige Jury, der erfahrene Journalisten, Autoren, Chefredakteure und Herausgeber großer Verlage Deutschlands angehören, gewährleisten die Unabhängigkeit der Auszeichnung. Um den Henri 2011 bewarben sich Journalisten mit 791 Arbeiten aus 196 Print- und Onlinepublikationen.

Warum wird jetzt diskutiert?

Bei der Preisverleihung am vergangenen Freitag hat René Pfister auf der Bühne zugegeben, dass er nicht im Keller von Horst Seehofer war.

Im Keller vom CSU-Chef? Was wollte er denn da?

In seiner Gewinnerreportage, die eigentlich ein spannendes Politikerporträt ist, spielt Horst Seehofer die Hauptrolle. Eine Passage (der Einstieg) beschreibt detailliert die Modelleisenbahn des bayerischen Ministerpräsidenten. Dabei war René Pfister nie mit Horst Seehofer im Keller. Seine Schilderung basiert auf Rechercheleistungen, sowohl aus dem Umfeld des Politikers als auch auf Nachfrage bei seinen eigenen Kollegen. Denn sowohl Ralf Neukirch als auch Konstantin von Hammerstein, Redakteure beim Nachrichtenmagazin Spiegel, hatten Seehofer in seinem Ferienhaus bereits besucht und dort die Modelleisenbahn gesehen.

Und die Jury fand den Artikel gut?

Ja, richtig gut sogar. Der Autor decouvrierte auf unterhaltende und gleichzeitig sehr präzise Weise die Herrschaftsmethoden des bayrischen Ministerpräsidenten und seinen politischen Herrschaftswillen, heißt es in der offiziellen Begründung. Den Artikel kann man übrigens hier nachlesen: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-73290158.html .

Was ist dann passiert?

Am Wochenende sind äußerst kritische Artikel erschienen. Lorenz Maroldt hat im Tagesspiegel die Preisverleihung zusammengefasst (den ganzen Bericht gibt es hier: http://www.tagesspiegel.de/medien/reporter-ohne-grenzen/4147198.html). "Skandal beim Henri-Nannen-Preis im Schauspielhaus" hat das Hamburger Abendblatt seinen Bericht betitelt, der am Montag erschienen ist (http://www.abendblatt.de/kultur-live/article1882362/Skandal-beim-Henri-Nannen-Preis-im-Schauspielhaus.html). Pikant - Autorin des Stückes ist Stephanie Nannen, Ressortleiterin Journal beim Abendblatt und Enkelin von Henri Nannen. Am Montag ging es dann ganz schnell, nach einer Telefonkonferenz hat die Jury dann die Entscheidung getroffen - der Preis wird aberkannt, Pfister muss die Bronzeskulptur und das Preisgeld zurückgeben.

War die Entscheidung denn einstimmig?

Nein. Peter-Matthias Gaede (Geo), Frank Schirrmacher (FAZ), Mathias Müller von Blumencron (Spiegel) und Kurt Kister (Süddeutsche) wollten René Pfister den Preis überhaupt nicht aberkennen. Die Mehrheit der Jury folgte allerdings der Einschätzung von Stephanie Nannen, darunter die Autorin Elke Heidenreich, Ulrich Reitz (WAZ), Ines Pohl (die tageszeitung), Jan-Eric Peters (Die Welt) oder Giovanni di Lorenzo (Die Zeit).

Was bedeutet die Jury-Entscheidung für René Pfister?

Der Autor ist jung, Jahrgang 1974. Ob er sich allerdings den Stress noch einmal antut und sich mit einem Beitrag noch einmal bewirbt, wer weiß? Auf jeden Fall hat ihn sein Arbeitgeber, der Spiegel, in Schutz genommen: "In der Vergangenheit sind bereits öfter Geschichten mit dem Egon-Erwin-Kisch-Preis ausgezeichnet worden, die szenische Rekonstruktionen enthielten. Jede Reportage besteht nicht nur aus Erlebtem, sondern auch aus Erfragtem und Gelesenem. Die Jury hat mehrheitlich entschieden, René Pfister den Preis abzuerkennen, ohne ihn selbst anzuhören oder Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben. Ein solcher Umgang mit einem untadeligen Kollegen widerspricht den Regeln der Fairness." Es ist wichtig, dass der Arbeitgeber zu seinen Mitarbeitern auch in schwierigen Momenten steht.

Okay, aber wer ist eigentlich René Pfister?

Seine Kurzvita liest sich beim Reporter-Forum so: "René Pfister, geboren 1974 in Müllheim/Baden. Nach dem Abitur Politikstudium in München, daneben Ausbildung an der Deutschen Journalistenschule. Im Jahr 2000 Umzug nach Berlin, dort Reporter bei den Nachrichtenagenturen ddp und Reuters. Seit 2004 Korrespondent im Hauptstadtbüro des SPIEGEL."

Und jetzt?

Die Medien werden sich in den nächsten Tagen noch ordentlich beharken - zwischen den Befürwortern und den Kritikern. Eine lesenwerte Replik auf Stephanie Nannens Artikel hat beispielsweise Ariel Hauptmeier auf Reporter-Forum.de veröffentlicht ("Der Skandal findet nicht statt", www.reporter-forum.de). Bislang hat aber noch niemand mit René Pfister gesprochen, vielleicht darf/soll er sich auch dazu auf Empfehlung seines Arbeitgebers nicht mehr zum Fall äußern.

Ist das eigentlich alles nötig?

Puh, schwere Frage. Schade ist auf jeden Fall, dass die Arbeitsweise und die Person René Pfister jetzt in einem seltsamen Licht erscheinen. Aus seiner Sicht hat er ja nichts falsch gemacht, er hat recherchiert, sich informiert, viele Punkte von verschiedenen Quellen bestätigen lassen. Die Jury muss sich allerdings selbst noch einmal fragen, ob es nicht einen anderen, eleganteren Weg zur Höchststrafe gegeben hätte. Warum sie zum Beispiel René Pfister nicht noch einmal befragt haben, bleibt ein Rätsel.

Übrigens - wer seine eigene Meinung zu dem Fall loswerden möchte, kann dem Reporter-Forum eine Email an matthias@reporter-forum.de schreiben.



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