Preise: 725 | Gewinner: 15806 | 23.02.2019 | facebook facebook


24 | 11 | 2011

 

JOURNALISTENPREISE-NEWS


Meta Krese gewinnt "Writing for CEE 2011"

Newsbild New

 
Die slowenische Journalistin und Fotografin Meta Krese ist Gewinnerin des europäischen Journalistenpreises "Writing for CEE 2011". Für ihre kritische Reportage über die Lebensumstände der Roma-Minderheit in ihrer Heimat erhielt die Slowenin in Wien den mit 5.000 Euro dotierten Preis, der von APA - Austria Presse Agentur in Zusammenarbeit mit der UniCredit Bank Austria zum achten Mal vergeben wurde. Ehrengast der Preisverleihung war der langjährige deutsche Außenminister Hans-Dietrich Genscher, der über die aktuellen Herausforderungen Europas und seine politischen Erfahrungen der Wiedervereinigung Europas sprach.

 

  "Zu Besuch bei den Roma von Dolenjska" lautet der Titel der kritischen wie berührenden Reportage, die im März 2011 in der slowenischen Ausgabe von National Geographic gemeinsam mit Fotografien von Arne Hodalic veröffentlicht wurde. Die Preisträgerin Meta Kresa ist als Journalistin und Fotografin für mehrere slowenische Zeitungen und Zeitschriften tätig. Für ihr journalistisches und fotografisches Werk erhielt die Slowenin bereits mehrfach Auszeichnungen. Der Journalistenpreis "Writing for CEE" soll über alle Landesgrenzen hinweg zur journalistischen Auseinandersetzung mit aktuellen Fragen Europas und der europäischen Integration einladen.

Zur Lösung der aktuellen Schuldenkrise, die er als "schwerste Krise der europäischen Einigung" bezeichnete, forderte Genscher eine gemeinsame europäische Wirtschaftsregierung. "Wir müssen den Charakter der europäischen Wirtschafts- und Währungsunion als Stabilitätsunion wiederherstellen", sagte der langjährige deutsche Außenminister in einem APA-Interview. Daher bräuchte es gemeinsame Regeln und Zuständigkeiten für die Wirtschafts- und Finanzpolitik, eine Schuldenbremse und automatisch in Kraft tretende Sanktionen, erklärte Genscher. Angesichts der globalen Interpendenz und der gegenseitigen Abhängigkeiten zwischen den Ländern würden sich Fehler, die in einem Land gemacht werden, überall auf der Welt auswirken.

APA-Chefredakteur Michael Lang stellte die Frage, wie Journalismus trotz der aktuellen Wirtschaftskrise "Grenzen überwinden und in einer gesamteuropäischen Perspektive demokratiepolitische Defizite aufzeigen" könne. Lang appellierte an die eigene Branche, auch in Österreich die Qualität im Journalismus zu gewährleisten und politisch, wirtschaftlich und publizistisch ein Umfeld zu schaffen, "wo Journalisten in der Lage sind, aufzudecken und nicht zuzudecken". "Wir brauchen Menschen, die schreiben wollen, schreiben können und schreiben dürfen", so Lang, der darauf hinwies, dass die Pressefreiheit nicht dort ende, wo es Gewalt gegenüber Journalisten gebe, sondern auch auf andere Art und Weise wie beispielsweise über Inserate Druck ausgeübt werden könne.

"Je unbequemer der Journalismus in einem Land ist, desto reifer ist die Demokratie", erklärte APA-Außenpolitikchef Ambros Kindel mit Blick auf die mit dem "Writing for CEE"-Preis ausgezeichnete kritische Reportage der Slowenin Meta Krese. Die Antwort des Qualitätsjournalismus auf die Flut belangloser Texte des Internetzeitalters müsse Authentizität sein, forderte Kindel in seiner Laudatio. Journalisten sollten daher authentisch sein, vor Ort recherchieren, sich selbst ein Bild machen und mit den Betroffenen reden, wie es die diesjährige Preisträgerin getan habe, so der Sprecher der international besetzten Jury.

Angesichts der Lebensbedingungen der Roma-Minderheit in ihrem Land, halte sie es für richtig "so viel wie möglich darüber zu sprechen", erklärte die slowenische Journalistin und Fotografin ihre Motivation für die prämierte Reportage. Die in Slowenien weit verbreiteten Stereotypen über die Minderheit würden leider auch in den Medien reflektiert, bemerkte Meta Krese. Ihre Zweifel, ob durch die mediale Darstellung des Elends der Roma nicht ebenfalls Stereotypen bedient würden, seien beim Betreten der Siedlung verflogen, erzählte die 1955 in Ljubljana geborene Preisträgerin: "So viel Elend nur wenige Kilometer von Städten entfernt, wo die große Mehrheit der Bevölkerung gepflegt und ordentlich lebt, ist schwer zu schlucken."



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