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14 | 07 | 2012

 

JOURNALISTENPREISE-NEWS


Felix-Rexhausen-Preis 2012 für Jobst Knigge

 
Impfen gegen Aids? Schlagzeilen macht die Immunschwäche-Krankheit beständig, so erst vor wenigen Tagen. Dank moderner Medikamente wird das tödliche Ende der HIV-Infektion heute zwar lange herausgezögert. Als die Krankheit vor 30 Jahren auftauchte, da drohte sie jedoch, demokratische Gesellschaften infrage zu stellen. Daran erinnert Jobst Knigge in seiner Fernsehdokumentation „Der Aids-Krieg“, gesendet in der ARD. In München ist er dafür mit dem Felix-Rexhausen-Preis 2012 ausgezeichnet worden. Eine hochaktuelle Mahnung, würdigt der Bund Lesbischer und Schwuler JournalistInnen (BLSJ).

 

  Der Felix-Rexhausen-Preis 2012 wurde heute am frühen Abend auf dem Münchner Christopher Street Day von Ex-Formel-Eins-Moderator Peter Illmann überreicht überreicht. Er ist mit einem Preisgeld von 500 Euro dotiert. Der BLSJ vergibt den Preis seit 1998 jedes Jahr und würdigt damit ein besonderes publizistisches Engagement bei der Berichterstattung über Lesben, Schwule und Bisexuelle.

HIV-Positive in Lager stecken – das fordern Hardliner, nachdem 1981 erstmals Aids in den USA auftritt. Besonnene Gesundheitspolitiker versuchen hingegen, die Zahl der Neuinfektionen einzudämmen. Diesen Wettlauf zweier politischer Richtungen mit zunächst offenem Ausgang zeigt Jobst Knigge in seiner meisterhaften Dokumentation „Der Aids-Krieg“, erläutert Arnd Riekmann von der Jury des Rexhausen-Preises. Sie wurde am 16. November 2011 in Das Erste gesendet. „Knigge gelingt es auf anrührende und zugleich informative Weise, an die Jahre nach dem Aufkommen der Immunschwächekrankheit zu erinnern.“ Spannend erzählt, beleuchte die Dokumentation eine Zeit, in der lange nicht klar war, wie „Der Aids-Krieg“ ausgeht – ob zum Beispiel im Kampf gegen die Epidemie demokratische Grundrechte auf der Strecke bleiben würden.

Auch die übrigen nominierten Beiträge lobt Jury-Mitglied Riekmann. Er appelliert an Journalisten und Redaktionen, diese als Vorbilder für eigene Berichterstattung über lesbische und schwule Themen anzusehen.

So beschreibt Amrai Coen in ihrer Reportage „Der Ball als Waffe“ (Der Spiegel, 23. April 2012) ein Fußballteam südafrikanischer Lesben, die sich gegen so genannte korrigierende Vergewaltigungen („corrective rape“) zur Wehr setzen. In ihrem brillant geschriebenen Text erzählt die Autorin die Geschichte von Thully Ncube, die versucht hatte, sich das Leben zu nehmen, nachdem sie vergewaltigt worden war. Obwohl Südafrika für seine liberalen Gesetze bekannt ist, zeigt Amrai Coen, dass diese offensichtlich nur auf dem Papier stehen.

Hörfunk-Autorin Wibke Starck nimmt ihr Publikum in ihrem Feature „Elternquartett – Vom Alltag einer Regenbogenfamilie“ (NDR-Info, 22. Januar 2012) mit in den Alltag einer auch heutzutage noch ungewöhnlichen Familie: zwei schwule Väter und zwei lesbische Mütter leben zusammen mit ihrer gemeinsamen Tochter in einem Haus. „Die Autorin kontrastiert die Ideen und Wünsche der vier homosexuellen Eltern aus der Zeit der Familiengründung mit ihren Erfahrungen elf Jahre später“, erläutert Jury-Mitglied Riekmann. So gelinge „ein außergewöhnlich intimes, fesselndes und erhellendes Radiofeature“.

Die Jury des Felix-Rexhausen-Preises vergibt in diesem Jahr außerdem einen undotierten Sonderpreis für die Folge „Ich bin schwul – Tobi steht auf Jungs“ der Fernsehsendung „Neuneinhalb – Das Check-Eins-Nachrichtenmagazin“, gesendet am 15. Oktober 2011 in Das Erste.

Felix Rexhausen, der Namenspatron des Preises, wurde 1932 in Köln geboren und starb vor 20 Jahren in Hamburg. Zusammen mit Carola Stern und Gerd Ruge war er Mitbegründer der deutschen Sektion von Amnesty international und arbeitete für den Rundfunk sowie für Zeitungen und Zeitschriften. Schon zu Zeiten, als noch der alte Paragraf 175 galt, trat Rexhausen selbstbewusst als schwuler Journalist auf, indem er die Lebensumstände homosexueller Männer eindringlich, aber auch ironisch und selbstkritisch thematisierte.

Der BLSJ ist ein deutschlandweites Netzwerk und verbindet rund 200 lesbische und schwule JournalistInnen. Er setzt sich seit 15 Jahren für faire und realitätsgetreue Berichterstattung über Lesben und Schwule ein.



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