Preise: 725 | Gewinner: 15806 | 23.02.2019 | facebook facebook


03 | 11 | 2015

 

JOURNALISTENPREISE-NEWS


Kardinal Reinhard Marx über wahrhaftigen Journalismus

Newsbild New

 
Der Katholische Medienpreis ist am Montag, 2. November 2015, zum 13. Mal verliehen worden. Bei einem Festakt in München zeichnete die Deutsche Bischofskonferenz gemeinsam mit der Gesellschaft Katholischer Publizisten e. V. (GKP) und dem Katholischen Medienverband e. V. (KM.) die Journalistinnen Nataly Bleuel (Kategorie Printmedien) sowie Natalie Amiri und Ellen Trapp (Kategorie Elektronische Medien) aus. Eine sechsköpfige Jury hatte aus 176 Einreichungen die Preisträger ermittelt.

 

  JournalistenPreise.de dokumentiert die Rede von Kardinal Reinhard Marx, dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, in leicht gekürzter Form.

Anfang September verbreitete sich auf Twitter das Bild des kleinen, toten Aylan. Das dazugehörige türkischsprachige Hashtag heißt übersetzt: Die fortgespülte Menschlichkeit. In diesem einen Bild verdichtete sich ikonographisch das ganze Elend der Menschen auf der Flucht, deren Schicksal wir durch die Sozialen Medien fast in Echtzeit verfolgen können. Die emotionale Wucht des Bildes des am Strand liegenden, zusammengekrümmten, wie schlafend wirkenden kleinen Ailan trifft ins Mark. Sie mobilisierte Mitmenschlichkeit, sie hatte auch Auswirkungen auf die praktische Politik.

Es gibt gute Gründe für und gegen die Veröffentlichung eines solchen Fotos. Im Rahmen der journalistischen Pflicht zur Berichterstattung und Information über die Realität der Flüchtlingskrise haben Journalisten die Verantwortung, über die Dinge der Welt wahrheitsgemäß zu berichten und die Öffentlichkeit zu informieren. Zugleich müssen sie die Würde des toten Jungen schützen. Keine leichte Entscheidung, aber eine wichtige, originär journalistische Entscheidung.

Die Digitalisierung der Kommunikation und die Sozialen Medien haben neben anderen Effekten dazu geführt, dass die emotionale Wirkung medialer Inhalte sich extrem verstärkt hat. Werkzeuge wie Twitter, YouTube oder Facebook wirken wie Hebel auf die Macht, die Worte und Bilder schon immer auf uns gehabt haben und damit zweifellos unser Denken und Handeln, unsere Gefühle und unsere Entscheidungen beeinflussen. Nicht die Statistiken der UN über die steigenden Flüchtlingszahlen lösen Meinungsumschwünge aus, sondern Bilder und Geschichten in den Medien.

Wer heute Bilder und Texte zu den großen Themen unserer Zeit produziert, hat deshalb eine große Verantwortung. Die Verantwortung von Journalisten war vielleicht nie größer als heute. Und sie tragen mehr als je zuvor dazu bei, welches Bild sich Menschen von der Wirklichkeit machen. Nie zuvor in der Geschichte hatten Menschen so große Freiheiten bei der aktiven und passiven Nutzung von Medien doch diese Freiheit muss verantwortungsvoll gebraucht werden!

Was ist der Maßstab für diese Verantwortung, die Journalisten tragen? Zum einen ist es natürlich die Wahrhaftigkeit allen publizistischen Handelns: Euer Ja sei ein Ja, euer Nein sei ein Nein (Mt 5,33). Wer gewissenhaft recherchiert, Zusammenhänge sachlich richtig darstellt und unmissverständlich publiziert, kann jede Qualifizierung als Lügenpresse getrost und souverän ignorieren. Wer einen wahrhaftigen Journalismus der Lüge bezichtigt, hat dann selbst ein Problem mit der Realität.
Die Wahrheit zu unterdrücken, darf nie eine Option für Journalisten sein. Und doch gibt es Situationen, in denen Verantwortung auch Zurückhaltung bedeuten kann. Das mag bisweilen die Kommunikation betreffen. Es gilt etwa auch dann, wenn Medien instrumentalisiert werden sollen, um Angst und Schrecken zu verbreiten. Und es gilt, wenn eine ungefilterte Berichterstattung gegen die Menschenwürde verstoßen würde. Wahrheit und Menschenwürde schließen sich aber nicht aus, sondern im Gegenteil: Seine wichtigsten Stunden hatte Journalismus in der Geschichte immer dann, wenn er seine Stimme gegen Unwahrheit, gegen Unterdrückung und gegen Unmenschlichkeit erhoben hat.

Kommunikation ist die Substanz des Lebens. Unser Menschsein wurzelt in der Kommunikation. Am Anfang war das Wort heißt es im Johannesevangelium, (...) und das Wort ist Fleisch geworden (Joh 1,1.14). Bewusst setzt der Autor des Evangeliums den Beginn allen Seins in der Schöpfung in einen Zusammenhang mit der Kommunikation als Beginn der Beziehung zwischen Gott und Mensch. Am Anfang war das Wort das heißt, dass am Anfang ein Ja Gottes zum Menschen steht, und dass der Mensch sich als Kommunikationspartner Gottes begreifen darf.

Der katholische Medienwissenschaftler Marschall McLuhan bezeichnete Medien als Erweiterungen unserer sinnlichen Wahrnehmung. Erst durch den Gebrauch dieser Medien können wir die Welt um uns begreifen, doch zugleich verändert der Gebrauch von Medien uns auch und damit die Wirklichkeit. Eine von Nächstenliebe und Wahrhaftigkeit getragene Kommunikation schafft Gemeinschaft, überwindet Distanzen zwischen Menschen und schafft ein gemeinsames Verständnis der Welt, in der wir leben.

Eine Gesellschaft braucht deshalb Menschen wie Sie, liebe Preisträger und liebe Gäste, die eine Berufung zum Journalismus spüren. Eine Gesellschaft braucht Menschen, die die Macht von Worten und Bildern kennen und verantwortungsvoll damit umgehen. Eine solche Berufung darf aber nie auf Motiven wie Eitelkeit oder Gewinnstreben, oder dem Wunsch nach Ruhm oder Selbstdarstellung beruhen. In ihrem Bemühen, uns die Welt zu erklären, dürfen Medien nie der Versuchung erliegen, sich selbst ins Zentrum zu stellen. Der Grat zwischen einer sachlichen Einordnung von Zusammenhängen und der Anpassung dieser Zusammenhänge an die eigene Weltsicht ist oft schmal. Auch Journalisten tun manchmal gut daran, Demut zu zeigen und sich die eigene Begrenztheit einzugestehen.

In einer zunehmend komplexer werdenden Welt brauchen wir Medien und Kommunikatoren, die den Dialog in unserer Gesellschaft fördern und so eine Basis schaffen für ein friedliches Zusammenleben. Die Digitalisierung der Kommunikation wird in Zukunft noch stärker dazu führen, dass dieser Dialog auch National- und Sprachgrenzen überschreitet. Journalisten können Moderatoren dieses Dialoges werden und damit die brückenbauende und integrative Funktion der Medien stärken.

Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi heißt es in Gaudium et spes, einem noch immer wegweisenden Dokument der Kirche. Ich würde mich freuen, wenn auch Sie, die Sie in den Medien arbeiten, sich in Ihrer täglichen Arbeit an dieser Formel orientieren können und mutig und entschlossen, leidenschaftlich und wahrhaftig, und immer im Bewusstsein Ihrer großen Verantwortung der Gesellschaft und dem Menschen dienen.

Gerne schließe ich mich deshalb auch dem jüngsten Dank von Bischof Gebhard Fürst an die Medien an. Wir sind froh über die Haltung der Journalistinnen und Journalisten im aktuellen Flüchtlingsdrama, denn Sie gestalten ein menschenwürdiges und den Menschen gerechtes Gemeinwesen wesentlich mit. Und auch wenn wir in Zukunft Bilder wie das des toten Jungen Ailan ertragen müssen, weil wir Menschen unsere Freiheit auch zum Bösen ausnutzen, so helfen uns die Medien doch auch, die Hoffnung nicht zu verlieren, dass Menschen guten Willens mit ihrer Solidarität untereinander und dem Vertrauen zueinander eine bessere Welt schaffen können.

Kardinal Reinhard Marx
Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz

Die ganze Rede als PDF gibt es bei der Deutschen Bischofskonferenz: http://www.dbk.de/fileadmin/redaktion/diverse_downloads/presse_2015/2015-194a-Preisverleihung-Kath-Medienpreis_Ansprache-Kard.-Marx.pdf



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