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Im Interview - Andrea Reidt


Andrea Reidt
Andrea Reidt

Wunsch: Mehr Bewerbungen von Lokalredaktionen und Regionalsendern



Zu weit fassen manche Bewerber den Familienbegriff, wenn sie sich für den Medienpreis der Stiftung Ravensburger bewerben. Im Interview mit JournalistenPreise.de spricht Medienreferentin Andrea Reidt über ihre Erfahrungen bei dem Journalistenpreis. Ihr großer Wunsch: Mehr Beiträge aus Lokalredaktionen und von Regionalsendern.

JournalistenPreise.de: Seit dem Jahr 2001 wird der Medienpreis der Stiftung Ravensburger Verlag ausgeschrieben. Wird über Familien in den deutschen Medien zu wenig berichtet?

Andrea Reidt: Das hat sich in den vergangenen zwei Jahren quantitativ zum Positiven verändert, seit die Familienpolitik stärker im Fokus der Öffentlichkeit steht. Allerdings gibt es immer noch die übliche Tendenz „bad news are good news“, denkt man an Kindesvernachlässigung und Missbrauch. Oder es geht um Steuer- und Finanzfragen. Über positive Beispiele von Familienleben, vor allem über familiäre Bildung und Erziehung und deren Wert wird nach wie vor zu wenig berichtet. Das möchte der Preis anregen.


JournalistenPreise.de: Welche Resonanz haben Sie auf Ihren Medienpreis? Wie viele Journalisten beteiligen sich mit Beiträgen?

Andrea Reidt: Wir hatten immer eine gute Resonanz, mindestens 60 und sogar bis 100 Einsendungen aus Print, TV, Hörfunk und mittlerweile auch aus Internetmedien. Ungefähr zehn Prozent bewerben sich immer wieder, sogar frühere Preisträger/innen versuchen ihr Glück aufs Neue. Das ist sehr erfreulich, aber die Preissumme von 15.000 Euro ist auch attraktiv genug, verteilt sich auf fünf Journalist/innen, bei Gruppenbewerbungen profitieren auch mehr Kolleg/innen davon.


JournalistenPreise.de: Erfüllen alle Einsendungen Ihre Kriterien? Welche Wünsche haben Sie an die Beiträge, die eingesandt werden?

Andrea Reidt: Thematisch liegen manche Bewerber/innen leider daneben, wenn sie den Familienbegriff sehr weit fassen, zum Beispiel Storys über Altenpflege oder über Heimkinder ohne jeglichen familiären Bezug einreichen. Das Niveau jedoch ist im Laufe der Jahre beachtlich gestiegen, die meisten Bewerbungen zeigen wirklich eine herausragende Qualität, sowohl stilistisch als auch in Themenwahl und Recherche. Das Schlagwort vom „Qualitätsjournalismus“ findet hier eine Bestätigung. Die siebenköpfige Jury hat es dadurch manchmal schwer, die Preisträger auszuwählen, wobei wenig diskutiert wird, weil wir ein Punkte- und Favoritensystem entwickelt haben, das äußerst gerecht ist. Die Jury nimmt ihre Aufgabe sehr ernst; jeder bringt viel Zeit und Überlegung auf, um zu einem befriedigenden Ergebnis beizutragen. Die meisten Juroren sagen auch, dass sie selbst von dieser Bewertungsarbeit einmal jährlich profitieren, weil sie einen sehr aktuellen Überblick über die journalistische „Szene“ der Ressorts und Programmplätze Familie, Bildung u. ä. bekommen. Ich persönlich wünsche mir noch mehr Beiträge aus Lokalredaktionen und Regionalsendern. Da deren Arbeitsbedingungen besonders schwierig sind, können sie oft nicht mit den überregionalen Hochglanzmedien und öffentlich-rechtlichen Sendern konkurrieren, was bedauerlich ist.


Prof. Ziegler
Preisverleihung des Medienpreises der Stiftung Ravensburger Verlag im Jahr 2007:
Jurymitglied Rolf Waldvogel und Andrea Reidt, im Hintergrund Preisträger.

JournalistenPreise.de: Hand aufs Herz: Lohnt sich der Aufwand, einen eigenen Medienpreis zu etablieren? Würden Sie anderen Stiftungen oder Unternehmen, die ein wichtiges Thema in die Medien transportieren möchten, empfehlen, einen Journalistenpreis auszuschreiben?

Andrea Reidt: Schwer zu sagen, weil die Zahl der Journalistenpreise stark zugenommen hat, teilweise mit abstrusen Themenstellungen. Was ist wirklich wichtig? Dazu hat jeder eine subjektive Position aus der eigenen Perspektive heraus. Es „lohnt“ sich auf jeden Fall, mit Preisen Kontakte zu thematisch interessierten Journalisten und Redaktionen aufzubauen, wenn man dies als PR-Maßnahme betrachtet. Für Journalistinnen und Journalisten, vor allem für die freiberuflichen Kollegen, lohnt sich eine Bewerbung unbedingt. Viel Preis, viel Ehr, neue Aufträge, guter Leumund, auch ein Preisgeld ist nicht zu verachten, das gibt einem vielleicht die Freiheit, ein eigenes Projekt ohne redaktionellen Auftrag zu verwirklichen. Im Übrigen habe ich auch schon mehrfach gehört, dass unser Medienpreis eine Familienseite in einer Tageszeitung nochmal vor dem Rotstift der Chefredaktion bewahrt hat, wenigstens für eine Weile, weil es doch peinlich wirken würde, eine Seite zu kippen, die gerade einen Preis bekommen hat…


Die Fragen stellte Bülend Ürük.

Andrea Reidt
Zur Person:


Andrea Reidt (Jg. 1956), freie Journalistin, ist u. a. als Projektleiterin und Medienreferentin für die im Jahr 2000 errichtete Stiftung Ravensburger Verlag tätig. In den neunziger Jahren verantwortete sie die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Unternehmensgruppe Ravensburger AG. Zuvor arbeitete sie als Tageszeitungsredakteurin, Kultur- und Reisereporterin sowie politische Pressesprecherin. Sie lebt mit ihrer großen Familie in Wiesbaden.

Mehr Informationen: www.stiftung.ravensburger.de, www.andreareidt.de.
 
Andrea Reidt

 


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