Preise: 687 | Gewinner: 14027 | 23.05.2017 | facebook facebook

Im Interview - Die Jury des CNN Journalist Award


Klaus Liedtke
Klaus Liedtke, Chefredakteur National Geographic Deutschland.
Fotos: Florian Arnold

Mut haben und sich einer Jury stellen!



Wie steht eigentlich die Jury des CNN Journalist Award generell zu dem Thema, Journalisten für besonders gelungene Arbeiten auszuzeichnen? Bei der Verleihung in München sprachen wir mit Uta Thofern, Juryvorsitzende und Chefredakteurin DW-WORLD.de, Dr. Dominik Wichmann, Chefredakteur des SZ-Magazin sowie Klaus Liedtke, Chefredakteur von National Geographic Deutschland.

JournalistenPreise.de: Welche Bedeutung haben Journalistenpreise für Sie?

Dr. Dominik Wichmann: Journalistenpreise sind sehr wichtig, solange es um Nachwuchspreise geht. Wir brauchen sie in der Funktion, die Karriere begabter Nachwuchsjournalisten zu befördern. Auf diese Weise können wir dem Nachwuchs die nötige Unterstützung geben.


JournalistenPreise.de: Herr Dr. Wichmann, Alexandros Stefanidis, ein Mitglied Ihrer Redaktion, erhielt heute einen Preis. Wie gehen Sie damit um?

Dr. Dominik Wichmann: Das ist auf der einen Seite schwierig, auf der anderen schön. Ich musste mich in dem Fall natürlich meiner Stimme enthalten, dennoch wünscht man sich die Auszeichnung. Es ist nicht einfach, da man seinen Mitarbeiter in dem Moment eben nicht mehr aktiv unterstützen kann. Am Ende ist jedoch das Wichtigste, dass der beste Beitrag gewinnt. Und genau das war hier der Fall.


JournalistenPreise.de: Wie kann eine Jury die Objektivität bei der Beurteilung der Beiträge sicherstellen?

Dr. Dominik Wichmann: Beim CNN Journalist Award wird zunächst Online eine Vorauswahl getroffen. Danach lesen wir alle Beiträge und versuchen Kriterien aufzustellen und reduzieren so die Einsendungen. Am Ende diskutieren wir über die verbliebenen Beiträge und einigen uns auf die Nominierungen und letztendlich auch die Preisträger.

Dr. Dominik Wichmann
Dr. Dominik Wichmann, Chefredakteur SZ-Magazin, im Gespräch mit JournalistenPreise.de

JournalistenPreise.de: Was macht Ihrer Meinung nach einen guten Beitrag aus?

Uta Thofern: Die Basis eines jeden guten Beitrages ist das Handwerk, also primär eine gründliche Recherche. Der Rest ist Kunst, sozusagen das Sahnehäubchen. Wer beides schafft, also mit einer guten Story den Leser fesseln kann, ist preiswürdig. Kunst ohne Handwerk kann dagegen nicht funktionieren.

Dr. Dominik Wichmann: Ein Beitrag muss handwerklich gut gemacht sein. Kriterien sind zum Beispiel ein existierender Spannungsbogen und eine fundierte Recherche. Ein preiswürdiger Beitrag muss außerdem stets etwas Neues sein. Etwas, was es vorher noch nicht gab.

JournalistenPreise.de: Herr Liedtke, inwiefern wünschen Sie sich kreativere Radiobeiträge?

Klaus Liedtke: Es fehlt einfach die Experimentierfreude mit dem Medium, das Spiel mit Formen. Es ist nur eine Frage der Phantasie, die eingeschlagenen Pfade zu verlassen. Das kann auch mal ganz anders aussehen: Direkt einsteigen, springen, bis an die Grenzen gehen, mit Text und Ton spielen und gucken was dabei herauskommt. Natürlich wünsche ich mir nicht jeden Beitrag dadaistisch und überdreht. Die Grundlage muss in jedem Fall eine gute Recherche bilden.


JournalistenPreise.de: Hatten Sie unter den Einsendungen einen persönlichen Favoriten?
Uta Thofern: Großen Respekt verdient Barbara Lüthi, nicht zuletzt für das persönliche Risiko, welches Sie in China eingegangen ist. Sie musste für ihren Beitrag "Landenteignung in China" sehr viel Fremdmaterial verwenden und ist damit ein erhebliches professionelles Risiko eingegangen. Ich würde mich das so ohne weiteres nicht trauen.

Dr. Dominik Wichmann: Sprachlich war meiner Meinung nach "Die lange weiße Linie" von Roland Schulz am besten. Die wohl größte Recherche steckt in Alexandros Stefanidis Hintergrundreportage über Barack Obamas Wurzeln und dem Beitrag von Barbara Lüthi.


Uta Thofern und Klaus Liedtke
Inhaltliche Diskussionen: Ja. Streit: Nein. Uta Thofern, Chefredakteurin von DW-WORLD.de und Klaus Liedtke sind ein eingespieltes Team.

JournalistenPreise.de: Wie viel Zeit investieren Sie in die Juryarbeit?

Dr. Dominik Wichmann: Ich verbringe schon einen ganzen Tag damit wirklich alle Beiträge zu sichten. Das ist dir Grundlage der Arbeit. Dazu kommt dann das Treffen der Jury, an dem wir alle teilnehmen und unsere Entscheidungen treffen.


JournalistenPreise.de: Macht Ihnen die Arbeit in der Jury Spaß?

Dr. Dominik Wichmann: In jedem Fall ist es sehr bereichernd, die verschiedenartigen Einsendungen zu sehen und die Meinungen anderer Jurymitglieder zu hören. Die Arbeit in einer Jury schärft den journalistischen Blick und man hat die Möglichkeit Arbeiten ganz anders zu würdigen.


JournalistenPreise.de: Würden Sie mehr Journalisten raten, an Ausschreibungen teilzunehmen?

Dr. Dominik Wichmann: Unbedingt. Wer den Mut hat, sich zu publizieren, sollte auch den Mut haben, sich einer Jury zu stellen!

Klaus Liedtke:
Ja, natürlich. Ich bin sehr dafür, dass man sich stets angestachelt sieht, nach dem Besten zu streben. Das ganze Leben ist ein Wettbewerb der Ideen. Und nur so erhält man eine Rückmeldung und die Gelegenheit, sich über eine enge Sicht hinaus einem größeren Publikum zu stellen. Darin sehe ich ausschließlich eine Chance.


Die Fragen stellte Martin Dziura.

Zu den Personen:
 
Portraits: Martin Dziura
Uta Thofern
Dominik Wichmann
Klaus Liedtke
Uta Thofern
Dr. Dominik Wichmann
Klaus Liedtke
An der Technischen Universität Braunschweig schloss Uta Thofern 1986 ihr Studium in Anglistik, Geschichte und Pädagogik ab und absolvierte danach die Ausbildung zur Redakteurin an der Deutschen Journalistenschule München.
Bei RTL Luxemburg und RIAS Berlin war sie als Radioredakteurin und Moderatorin tätig, leitete die Nachrichenredaktion des MDR Thüringen und verantwortete als Chefredakteurin ab 2002 englische, deutsche sowie die Europa-Programme und EU-Projekte der Deutschen Welle.
Heute ist sie Chefredakteurin von DW-WORLD.de.
Dr. Dominik Wichmann, geb. 1971 in München, ist seit Januar 2005 alleiniger Chefredakteur des Magazins der Süddeutschen Zeitung, das freitags erscheint. Der Journalist und Buchautor wurde für seine Arbeiten mehrfach ausgezeichnet: Er hat den Axel-Springer-Preis für Junge Journalisten gewonnen (1997 und 1998), erhielt den Arthur-F.-Burns-Preis des Bundesaußenministeriums (1997) und den Friedrich-Vogel-Förderpreis für Wirtschaftsjournalisten (1998). Zudem wurde er mit der Auszeichnung Goldener Prometheus als Magazinjournalist des Jahres 2006 geehrt.
Der ausgebildete Industriekaufmann Klaus Liedtke begann seine journalistische Karriere mit einem Volontariat bei der Westfälischen Rundschau und war dort bis 1968 als Redakteur beschäftigt.
Bis 1977 tätig als Auslandsreporter für den "stern" leitet er danach das Ressorts Ausland. 1986 übernahm er vier Jahre die Chefredaktion.
In gleicher Position leitete er die "Neue Berliner Illustrierte", das "Extra-Magazin" sowie das Lufthansa Magazin.
Seit 1999 ist er Chefredakteur von "National Geographic" Deutschland.

 


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