"Ich gönne jedem Kollegen jeden Journalistenpreis", sagt Dr. Hajo Schumacher. Zumindest einen Journalistenpreis wird aber niemand mehr gewinnen können. Schumacher und seine Mitstreiter Rudolf Hetzel und Torben Werner wollen nicht mehr; den "Goldenen Prometheus" haben sie eingestampft - wenig Sponsoren, keine Lust mehr, "Deckel drauf", so Schumacher.
Zur Erinnerung - der "Goldene Prometheus" zeichnete in verschiedenen Kategorien die "Journalisten des Jahres" aus. Zu den Geehrten des undotierten Preises zählten "Big-Shots", viele große Namen der Branche wie Maybrit Illner und Anne Will, Stefan Raab und Oliver Kahn, Mainhardt Graf Nayhauß, Matthias Matussek, Heribert Prantl, Jens Weinreich oder Jürgen Leinemann. 2009 wurde der "Goldene Prometheus" zum letzten Mal verliehen. 40 Medienschaffende haben ihn überhaupt nur gekriegt - einen exklusiveren Preis gibt es nicht. "Selbst den Oscar haben mehr Menschen gewonnen", lacht Schumacher.
Klassentreffen
Hajo Schumacher macht beim JournalistenPreise.de-Gespräch einen aufgeräumten Eindruck. Dennoch - in seiner Stimme schwingt eine gewisse Traurigkeit mit. Fest sagt er: "Mit dem Preis wollten wir Spaß haben, Günther Jauch sagte, es sei fast wie ein Klassentreffen. Großartige Kollegen freuten sich, alte Kumpels wiederzutreffen, ohne TV-Stress und rote Teppiche."
Drei Monate Vorbereitung
Die Vorbereitungen für den Preis hätten jeweils drei Monate vor der Verleihung begonnen - jetzt sei aber deutlich geworden, dass die Abendveranstaltung nicht zu bezahlen gewesen sei. "Wir hatten in jedem Jahr einen Fehlbetrag, der Goldene Prometheus war ein Zuschussgeschäft. 2010 wäre das finanzielle Loch aber richtig groß geworden." Alle im Helios-Verlag, der den Preis offiziell vergeben hat, hätten zwar mit angepackt - doch Selbstausbeutung reichte nicht.
Dabei war die Idee so gut wie sie auch simpel war. Der Preis wurde von einer unabhängigen Experten-Jury vergeben; Unternehmen kauften Galatische für sich und die Gäste. Fertig war das Konzept. Warum er sich nicht um einen Hauptsponsor gekümmert hat? Der Preis wäre dann nicht mehr unabhängig gewesen, so Schumacher, "viele kleine Logos haben mehr Charme als ein großes."
"Ungerecht in die Fresse"
"Heftig touchiert" habe ihn 2009 außerdem ein Beitrag in der Süddeutschen Zeitung. "Der Artikel hat mir zuerst die Laune versaut und uns dann die Sponsoren vertrieben. Autor Tom Schimmeck, der früher mal für ordentliche Recherche bekannt war, hat es nicht für nötig gehalten, mit uns zu reden. Aber vorher hat er die ganze alte Stereotypen-Soße ausgekippt, weil man es doch tatsächlich gewagt hat, Sponsoren aufzutreiben. Das soll im Preis-Gewerbe allerdings relativ normal sein, weil so ein Abend um die 200 000 Euro kostet. In Frankfurt beim Deutschen Journalisten Preis holen sich die feinsten Kollegen Kohle ab, die von der Derivate-Branche spendiert wird. Ich kann mich nicht erinnern, dass jemand aus ethischen Gründen auf 10 000 Euro verzichtet hätte", so Dr. Schumacher.
Seit der Veröffentlichung habe er großes Verständnis für Politiker und anderen Personen, die sich heftig zur Wehr setzen gegen recherchefreien Totschläger-Feuilletonismus. "Es gibt kaum Chance zur Gegenwehr. Fakt ist: So ein Artikel, mag er noch so dünn sein, steht auf ewig in den Archiven. Dass potentielle Sponsoren sich solche Kritiken anschauen und dann abwinken, das ist doch normal. Und am nächsten Tag wird in derselben Süddeutschen Zeitung mit viel Timbre im Text von den Machenschaften böswilliger Kollegen berichtet - dieses Empörungsgeheuchel ist widerwärtig."
"Dennoch - den Goldenen Prometheus werde ich in guter Erinnerung behalten. Es war eine schöne Zeit", so Dr. Hajo Schumacher.
Das Interview führte Bülend Ürük.